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Christoph Kay
Christoph Kay
repleno Gründer
Veröffentlicht: 10 Min. Lesezeit

Stundenverrechnungssatz berechnen: Formel, Beispielrechnung und typische Fehler

Stundenverrechnungssatz im Handwerk berechnen: Mit Formel, Schritt-für-Schritt-Beispiel und den 5 häufigsten Kalkulationsfehlern. Inkl. Tabelle nach Gewerken 2026.

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TLDR / Zusammenfassung:

  • Die Grundlogik: Gesamtkosten / produktive Jahresstunden, danach Gewinn und Wagnis aufschlagen
  • Produktive Stunden pro Jahr: 1.200 bis 1.500, nicht 2.000
  • Vom Netto-SVS entfallen nur 31 % auf den Lohn (HWK Stuttgart)
  • Die 5 häufigsten Fehler und wie du sie vermeidest

Ein SHK-Betrieb mit drei Gesellen kalkuliert seinen Stundenverrechnungssatz mit 65 Euro. Klingt solide. Nur: Die produktiven Stunden wurden mit 2.000 pro Jahr angesetzt. Realistisch sind es 1.350. Der tatsächlich kostendeckende Satz liegt bei 96 Euro. Jede Stunde, die dieser Betrieb mit 65 Euro fakturiert, erzeugt Verlust.

Das ist kein Einzelfall. Der häufigste Kalkulationsfehler im Handwerk ist die Überschätzung der produktiven Stunden (Haufe, 2025). Falsche Stundenzahl = falscher SVS = Verlust bei jedem Auftrag.

Hier erfährst du, wie du deinen Stundenverrechnungssatz korrekt berechnest, welche Fehler du vermeiden musst und wo dein Gewerk im Vergleich steht.

Was ist der Stundenverrechnungssatz?

Der Stundenverrechnungssatz (SVS) ist der Preis, den ein Betrieb pro Arbeitsstunde berechnen muss, um alle Kosten zu decken und Gewinn zu erzielen. Nicht zu verwechseln mit dem Stundenlohn.

Stundenlohn = was der Mitarbeiter verdient. Stundenverrechnungssatz = was du dem Kunden berechnen musst, um wirtschaftlich zu arbeiten. Zwischen beiden Zahlen liegt ein Faktor von etwa drei.

Wie groß der Unterschied tatsächlich ist, zeigt ein Beispiel der Handwerkskammer Region Stuttgart. Die Originalwerte stammen aus 2023. Die rechte Spalte ist eine Hochrechnung auf 2026: Die Deutsche Handwerks Zeitung berichtet eine jährliche Steigerung der Gesellenstundensätze von rund 5 Prozent (DHZ, 2024). Daraus ergibt sich:

Position2023 (HWK Stuttgart)2026 (Hochrechnung*)Anteil
Bruttostundenlohn20,00 EUR23,15 EUR31 %
Lohnnebenkosten16,77 EUR19,41 EUR26 %
Betriebliche Gemeinkosten24,52 EUR28,38 EUR38 %
Gewinn3,23 EUR3,74 EUR5 %
Netto-SVS64,52 EUR74,68 EUR100 %
  • 19 % Umsatzsteuer
12,26 EUR14,19 EUR
Brutto-SVS76,77 EUR88,87 EUR

*Hochrechnung: Originalwerte der HWK Region Stuttgart (Stand März 2023), fortgeschrieben mit ca. 5 % jährlicher Steigerung über drei Jahre (Faktor 1,158). Die tatsächlichen Werte können je nach Gewerk und Region abweichen.

Die Kernaussage: Nur 31 Prozent des Netto-SVS sind Lohn. Die restlichen 69 Prozent gehen in Lohnnebenkosten, Gemeinkosten und Gewinn. An dieser Verteilung hat sich seit 2023 wenig geändert.

Stundenverrechnungssatz im Handwerk: Nur 31 % entfallen auf den Lohn

Die Formel

Die Grundlogik:

1. Kostendeckender SVS = Jährliche Gesamtkosten / Produktive Jahresstunden

2. Netto-SVS = Kostendeckender SVS + Gewinnzuschlag + Wagniszuschlag

In der Praxis besteht die Berechnung aus fünf Schritten:

SchrittWas du berechnestBeispiel
1Bruttolohn + AG-Sozialabgaben (~20-21 %) + BG-Beitrag und Umlagen = Lohnkosten/Jahr36.000 + 7.560 + 1.800 (BG + Umlagen) = 45.360 EUR
2Miete + Fahrzeuge + Versicherung + Werkzeug + Verwaltung = Gemeinkosten/Jahr48.000 EUR
3(Lohnkosten + Gemeinkosten) / produktive Stunden = kostendeckender SVS93.360 / 1.350 = 69,16 EUR
4
  • Gewinnzuschlag (5-15 %) + Wagnis (2-3 %) = Netto-SVS
69,16 + 6,92 + 2,07 = 78,15 EUR
5
  • 19 % USt = Brutto-SVS
93,00 EUR

Quellen: WHK Controlling (Kalkulationsschema), Selbstaendig-im-Handwerk.de (HWK-Portal), Haufe (Lohnstundensatzkalkulation im Handwerk)

Entscheidend ist Schritt 3: Das ist deine Preisuntergrenze. Alles darunter bedeutet: Du zahlst drauf. Die Deutsche Handwerks Zeitung formuliert es treffend: "Kalkulieren ist im Prinzip nichts anderes als die Preisuntergrenze zu kennen" (DHZ, 2024).

Schritt-für-Schritt Beispielrechnung: SHK-Betrieb mit 3 Gesellen

Konkretes Szenario: Ein SHK-Betrieb in Nordrhein-Westfalen, drei Gesellen, der Meister arbeitet selbst produktiv mit.

Lohnkosten pro Geselle und Jahr

PositionBetrag
Bruttolohn (20 EUR/h x 1.720 Vertragsstunden)34.400 EUR
AG-Anteil Sozialversicherung (ca. 20,5 %)7.052 EUR
Berufsgenossenschaft (ca. 4 %)1.376 EUR
Umlagen U1, U2, Insolvenzgeld860 EUR
Lohnkosten pro Geselle43.688 EUR

Lohnkosten für 3 Gesellen: 131.064 EUR. Dazu muss ein kalkulatorischer Unternehmerlohn für den Meister (hier: 55.000 EUR). Wer den eigenen Lohn weglässt, betrügt sich selbst.

Betriebliche Gemeinkosten pro Jahr

PositionBetrag
Werkstattmiete + Nebenkosten14.400 EUR
Fahrzeuge (Leasing, Versicherung, Kraftstoff)18.000 EUR
Werkzeug und Maschinen6.000 EUR
Versicherungen (Betriebshaftpflicht, Rechtsschutz)4.800 EUR
Büro, Buchhaltung, Software5.400 EUR
Fortbildung2.400 EUR
Sonstige (Telefon, Werbung, Beiträge)3.600 EUR
Gemeinkosten gesamt54.600 EUR

Gesamtkosten und SVS

PositionBetrag
Lohnkosten (3 Gesellen + Meister)186.064 EUR
Gemeinkosten54.600 EUR
Gesamtkosten240.664 EUR
Produktive Stunden (4 Personen x 1.350 h)5.400 h
Kostendeckender SVS44,57 EUR
  • Gewinnzuschlag 10 %
4,46 EUR
  • Wagnis 3 %
1,34 EUR
Netto-SVS50,37 EUR
  • 19 % USt
9,57 EUR
Brutto-SVS59,94 EUR

Die 5 häufigsten Kalkulationsfehler beim Stundenverrechnungssatz im Handwerk

In der Praxis liegen SHK-Betriebe 2026 bei 55 bis 90 Euro netto (Turboangebot, 2025). Dieser Beispielbetrieb liegt mit 50 Euro netto am unteren Rand. Der Grund: moderates Gehaltsniveau und vergleichsweise niedrige Gemeinkosten. In München oder Hamburg sieht die Rechnung anders aus.

Produktive Jahresstunden: Die kritische Variable

Die produktiven Jahresstunden sind der wichtigste Faktor der gesamten Kalkulation. Eine Fehleinschätzung von 20 Prozent verändert den SVS um 20 Prozent. Kein anderer Posten hat diesen Hebel.

So sieht eine realistische Berechnung aus:

PositionTage
Kalendertage365
Wochenenden-104
Feiertage (NRW)-11
Urlaub-30
Krankheit (Durchschnitt)-12
Fortbildung-3
Anwesenheitstage205
x produktive Stunden pro Tagx 6,5
Produktive Jahresstunden1.333

Warum nur 6,5 Stunden pro Tag? Weil Fahrtzeit zur Baustelle, Rüstzeit, Materialbeschaffung, Aufräumen und Dokumentation nicht fakturierbar sind (und trotzdem bezahlt werden müssen). Laut Handwerkskammern liegen die produktiven Stunden bei den meisten Betrieben zwischen 1.200 und 1.500 Stunden pro Jahr (WHK Controlling, 2025).

Der Fehler, den die meisten machen: 8 Stunden pro Tag x 250 Arbeitstage = 2.000 Stunden. Das ist 30 bis 40 Prozent zu hoch. Ein SVS, der auf 2.000 Stunden basiert, kann die Kosten nicht decken.

Stundenverrechnungssatz nach Gewerken 2026

Die folgende Tabelle zeigt typische Netto-Stundenverrechnungssätze nach Gewerk. Die Bandbreiten entstehen durch regionale Unterschiede, Betriebsgröße und Spezialisierung.

GewerkNetto-SVS 2026 (EUR)
Maler und Lackierer45 bis 65
Fliesenleger45 bis 70
Tischler und Schreiner50 bis 80
SHK (Sanitär, Heizung, Klima)55 bis 90
Elektriker55 bis 85
Dachdecker55 bis 85
Kfz-Mechatroniker80 bis 150

Quellen: Turboangebot (Stundensatzrechner Handwerk), DHZ Preisatlas 2024, handwerk.cloud (Handwerker Stundenlohn 2026)

Im Osten Deutschlands liegen die Sätze im Schnitt 15 Prozent unter dem Westniveau (DHZ Preisatlas 2024). In Großstädten wie München, Hamburg oder Frankfurt 10 bis 20 Prozent darüber. Eine ausführliche Aufstellung der Stundensätze nach Gewerken findest du in unserem separaten Beitrag.

Die 5 häufigsten Kalkulationsfehler

1. Produktive Stunden zu hoch angesetzt

Der mit Abstand häufigste Fehler. Wer mit 2.000 statt 1.350 produktiven Stunden rechnet, unterschätzt seinen SVS um fast 50 Prozent. Die Konsequenz: Jeder Auftrag erzeugt Verlust, auch wenn er bezahlt wird.

Das muss in jede Kalkulation: Fahrtzeiten, Rüstzeiten, Verwaltung, Krankheit und Fortbildung konsequent abziehen. Nicht schätzen, sondern messen.

2. Unternehmerlohn vergessen

Viele Inhaber kalkulieren keinen eigenen Lohn ein (und merken es erst, wenn die Rücklagen aufgebraucht sind). Die Konsequenz: Der Meister arbeitet effektiv umsonst. Ein kalkulatorischer Unternehmerlohn von 45.000 bis 60.000 Euro muss in den SVS, sonst stimmt die gesamte Rechnung nicht.

3. Lohnnebenkosten unterschätzt

Der reine Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung (Renten-, Kranken-, Pflege-, Arbeitslosenversicherung) beträgt rund 20 bis 21 Prozent. Aber das ist nicht alles: Dazu kommen Berufsgenossenschaft (2-6 Prozent je nach Gewerk), Umlagen U1, U2 und Insolvenzgeldumlage.

In Summe liegen die gesamten Lohnnebenkosten oft bei 25 bis 30 Prozent über dem Bruttolohn. Das passt zur HWK-Stuttgart-Beispielrechnung, in der Lohnnebenkosten rund 26 Prozent des Netto-SVS ausmachen. Wer hier nur den SV-Anteil von "20 Prozent" ansetzt, liegt schnell 5.000 bis 8.000 Euro pro Mitarbeiter daneben.

Fakt ist: Jeden Kostenbestandteil einzeln erfassen. Pauschale Schätzungen reichen nicht.

4. Gemeinkosten zu niedrig angesetzt

Der durchschnittliche Gemeinkostenzuschlag im Handwerk liegt bei etwa 30 Prozent (handwerk.com, 2025). Viele Betriebe setzen nur 15 bis 20 Prozent an. Posten wie Abschreibungen, anteilige Büromiete oder Kontoführungsgebühren werden übersehen. Das summiert sich.

Die Lösung ist simpel: BWA der letzten zwölf Monate nehmen und jede Ausgabenposition einzeln durchgehen. Was nicht Lohn oder Material ist, gehört in die Gemeinkosten.

5. Kein Gewinn eingeplant

Kostendeckend heißt: null Gewinn. Kein Puffer für schlechte Monate, keine Rücklagen für Investitionen, kein Wachstum. Ein Gewinnzuschlag von 5 bis 15 Prozent ist betriebswirtschaftlich nicht optional, sondern notwendig. Dasselbe gilt für den Wagniszuschlag (2-3 Prozent): Forderungsausfälle, Garantiearbeiten und unerwartete Reparaturen kommen in jedem Betrieb vor.

Der versteckte Hebel: Unproduktive Stunden reduzieren

Die Formel zeigt den Zusammenhang klar: Mehr produktive Stunden = niedrigerer SVS bei gleichen Kosten. Oder anders formuliert: Jede Stunde, die ein Mitarbeiter mit Materialsuche, Spontanfahrten zum Großhändler oder manueller Bestandsprüfung verbringt, treibt den notwendigen SVS nach oben.

Ein Rechenbeispiel: Ein Fünf-Personen-Team verliert pro Kopf eine Stunde pro Woche durch Materialengpässe und ungeplante Beschaffungsfahrten. Bei einem SVS von 65 Euro und 46 produktiven Wochen sind das 14.950 Euro pro Jahr an verschenkter Kapazität.

Es gibt zwei Wege: Entweder den SVS erhöhen (und riskieren, Aufträge zu verlieren). Oder die unproduktiven Stunden reduzieren. Betriebe, die ihre Lagerhaltung systematisieren und Nachschub über automatische Meldebestandssysteme steuern, gewinnen diese Stunden zurück. Ohne den Preis zu erhöhen.

Dein SVS in drei Sätzen

Der Stundenverrechnungssatz ist keine Preisfrage, sondern eine Überlebensfrage. Gesamtkosten geteilt durch realistische produktive Stunden (1.200 bis 1.500, nicht 2.000), plus Gewinn und Wagnis. Wer darunter fakturiert, zahlt bei jedem Auftrag drauf.

Nächster Schritt: Nimm deine BWA der letzten zwölf Monate, rechne die fünf Schritte aus der Formel durch und vergleiche das Ergebnis mit deinem aktuellen Stundensatz. Die Differenz zeigt dir, ob du kostendeckend arbeitest.

FAQ: Stundenverrechnungssatz im Handwerk

Der Stundenverrechnungssatz ist der betriebswirtschaftlich kalkulierte Preis pro Arbeitsstunde. Er deckt Lohnkosten, Sozialabgaben, Gemeinkosten, Wagnis und Gewinn ab. Er ist nicht identisch mit dem Stundenlohn: Laut Handwerkskammer Region Stuttgart entfallen nur 31 Prozent des Netto-SVS auf den reinen Lohn.
In der Praxis rechnest du in zwei Schritten: Zuerst jährliche Gesamtkosten geteilt durch produktive Jahresstunden = kostendeckender Stundenverrechnungssatz. Danach schlägst du Gewinn und Wagnis auf. Zu den Gesamtkosten zählen Lohn, Lohnnebenkosten (SV-Arbeitgeberanteile, BG, Umlagen: zusammen ca. 25-30 Prozent auf den Bruttolohn) und Gemeinkosten wie Miete, Fahrzeuge und Versicherung.
Laut Handwerkskammern und Haufe liegen die produktiven Jahresstunden bei 1.200 bis 1.500 Stunden. Das ergibt sich aus rund 220 Anwesenheitstagen mal 6 bis 7 produktive Stunden pro Tag. Die restliche Zeit entfällt auf Fahrt, Rüstzeit, Verwaltung und Pausen.
Weil der Stundenlohn nur einen Teil der Kosten abbildet. Hinzu kommen Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung (ca. 20-21 Prozent), Berufsgenossenschaft, Umlagen und Gemeinkosten wie Miete und Fahrzeuge. Insgesamt machen die Lohnnebenkosten (SV + BG + Umlagen) rund 25 bis 30 Prozent des Bruttolohns aus. Hinzu kommen Gemeinkosten und Gewinn.
Im Alltag werden beide Begriffe oft synonym verwendet. Genau genommen ist der Stundenverrechnungssatz die interne Kalkulationsgröße, aus der sich der fakturierte Stundensatz ableitet. Der fakturierte Satz kann je nach Auftrag, Kunde und Marktlage abweichen.
Im Elektrohandwerk liegt der Stundenverrechnungssatz 2026 bei etwa 55 bis 85 Euro netto. Regional gibt es große Unterschiede: In München oder Berlin werden bis zu 90 Euro berechnet, in Sachsen oder Thüringen zwischen 50 und 65 Euro.
Du arbeitest unter der Preisuntergrenze. Das bedeutet: Jede geleistete Stunde erzeugt Verlust, auch wenn der Auftrag bezahlt wird. Langfristig fehlen Rücklagen für Investitionen, Reparaturen und Gehaltserhöhungen. Laut DHZ kennen viele Handwerksbetriebe ihre eigene Preisuntergrenze nicht.
Christoph Kay

repleno Gründer

Christoph arbeitete fünf Jahre als Elektroniker in der Industrie und hat erlebt, wie fehlende Kleinteile Abläufe ausbremsen. Später führte er als Projektmanager bei der P.S. Cooperation GmbH (Böllhoff-Gruppe) digitale Beschaffungsprozesse für wiederkehrende Teile bei Mittelstand und Konzernen ein. Heute baut er repleno, um die Beschaffung von Verbrauchsmaterialien in kleinen Betrieben weitgehend zu automatisieren.

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