Format: Regal-Ebene-Fach, z.B. 01-01-01 (mit Gängen: A-01-01-01). Von unten nach oben, links nach rechts. Einmal festgelegt, nie mehr ändern.
Etikettenmaterial: Papier (trocken, günstig), Folie (feucht, robust), Magnet (saisonal, wiederverwendbar). Für 90 % der Betriebe reicht Papier.
Barcode-Regel: ein eindeutiger Code pro Lagerplatz. Barcode speichert nur eine ID, nicht den Artikelnamen.
Avery 70x36-R: 1200 Etiketten für ca. 20 Euro, Excel-Import, Serienbarcode. Testbogen auf Normalpapier vor dem Drucken.
Du stehst vor deinem Regal und suchst schon wieder Minuten nach den ganz bestimmten Gira Schalter? Dein Lager ist ein Chaos aus Post-its, verblassten Edding-Markierungen und provisorischen Zetteln, die beim ersten Luftzug wegfliegen?
Das Problem kennen tausende Handwerker, kleine Onlinehändler und Werkstattbetreiber: Ohne ordentliche Regaletiketten verschwendest du täglich wertvolle Zeit mit Suchen, bestellst Artikel doppelt und verlierst den Überblick über deine Bestände.
Die gute Nachricht: Professionelle Regaletiketten für kleine Lager sind weder teuer noch kompliziert. Mit der richtigen Software, passendem Material und einem durchdachten aber einfachen Nummerierungssystem bringst du Ordnung in dein Lager in nur 30 Minuten.
Ob du es Regalbeschriftung, Lagerkennzeichnung oder Lagerplatz-Beschriftung nennst: Gemeint ist immer dasselbe System aus eindeutig benannten Lagerplätzen und passenden Etiketten.
Für wen ist dieser Guide?
Dieser Guide richtet sich an kleine Lager mit festen Lagerplätzen. Die folgenden Empfehlungen resultieren aus Praxiserfahrung und haben nicht den Anspruch einen verbindlichen Standard darzustellen.
Typisches Szenario:
Schrauben M6 liegen immer auf Lagerplatz 01-01-01
Kabelklemmen immer auf Platz 02-03-04
Umräumen passiert 1-2x pro Jahr (oder nie)
Nicht geeignet für:
E-Commerce mit täglich wechselnden Artikeln oder Fulfillment-Centern mit flexiblem Lager
In diesem Guide lernst du:
Welches Etikettenmaterial für deinen Betrieb und die Umgebung deines Lagers passt
Ob du ein oder zwei Etiketten je Artikel/Lagerplatz brauchst
Welche 4 kostenlosen Tools du sofort nutzen kannst
Wie du ein eindeutiges Nummerierungssystem aufbaust
Wie QR-Codes und Barcodes richtig eingesetzt werden
Welches Etikettenmaterial brauche ich für mein Lager?
Meine Empfehlung für 90% der kleinen Lager: Bestell Papieretiketten von Avery. Kosten fast nichts, lassen sich mit jedem Laserdrucker bedrucken und sind für trockene Innenräume völlig okay.
Aber, nicht jedes Etikett hält überall. Daher die Entscheidungshilfe für dich:
Feuchte Umgebung (Keller, Werkstatt mit Spritzwasser)?
Dann: Folienetiketten, weil wasserfest, reißfest, langlebig
Nachteil: Lagerplatz und Artikel sind auf demselben Etikett. Sortierst du ein Regal neu, ändern viele Fächer gleichzeitig ihren Inhalt und Artikel ihren Lagerplatz. Aus einem Nachdruck werden schnell zwanzig.
Zusammenfassung: Variante 1 ist billig einzurichten, teuer bei Änderungen
Ein paar Beispiele, wie du Lagerplatz-Etiketten gestalten kannst: große Regalgang-Etiketten mit Richtungspfeil, daneben kompakte Varianten mit Barcode, QR-Code oder nur der Lagerplatz-ID.
Zwei Etiketten nebeneinander:
Separates Lagerplatz-Etikett (z.B. 100×50mm), Etikett ist optimalerweise so hoch wie es dein Regalboden zulässt.
Etikett ist optimalerweise so hoch wie es dein Regalboden zulässt.
Artikel: Zylinderschraube DIN 912...
Barcode: RPL-0001
Mindestbestand: 100
Weitere Individuelle Details
Vorteile:
Lagerplatz aus Entfernung erkennbar (z.B. vom Werkstattwagen aus)
Klare Trennung: Wo ist es vs. Was ist es
Die Lagerplatznummer bleibt fest. Beim Ein-, Um- oder Aussortieren muss nur das Artikeletikett ausgetauscht werden.
Bei beweglichen Behältern (Sichtlagerkästen, Boxen) gehört die Lagerplatz-ID zusätzlich auf den Behälter selbst, nicht nur ans Regalfach. Stellt jemand die Box zurück ins falsche Fach, steht ihre ID sichtbar neben einer anderen am Regal: Der Fehler fällt sofort auf, statt erst bei der Inventur.
Zusammenfassung: Variante 2 etwas teurer einzurichten als Variante 1, aber billiger bei Änderungen
Entscheidungshilfe:
Kriterium
Nur Kombietikett
Zwei Etiketten
Hauptvorteil
Minimaler Aufwand beim Einrichten
Billig beim Ändern & Umsortieren
Ändern / Umsortieren
Ganze Reihe neu drucken
Nur ein Artikel-Etikett
Suchzeit
Du kennst dein Lager auswendig
"Wo war 03-03-02?" → Aus 3-4m sichtbar
Häufigkeit im Lager
Täglich drin, alles vertraut
Gelegentlich oder wechselnde Personen
Regalaufbau
Kompakt, überschaubar
Mehrere Gänge/Regalreihen
Kosten Einrichtung
wenige Cent (ein Etikett)
etwas mehr (zwei Etiketten)
Meine Empfehlung: Mach's gleich richtig und trenne von Anfang an. Lagerplatzkoordinate auf ein eigenes Etikett. Artikeldaten auf ein separates. Der etwas höhere Aufwand beim Einrichten zahlt sich beim ersten Ein- oder Umsortieren aus, weil du dann nur ein Etikett neu druckst statt der ganzen Reihe. Bleibt dein Lager wirklich stabil und du räumst so gut wie nie um, reicht auch das Kombietikett.
Schon mit Kombietikett gestartet?
Wenn du oder dein Team zu lange sucht und der Azubi fragt ständig „Wo ist 03-01-02?" - ist das der Moment, aufs getrennte System umzusteigen.
Wie benenne und kennzeichne ich meine Lagerplätze?
Bevor du Etiketten druckst, brauchst du ein eindeutiges System für deine Lagerplätze. weshalb wir das Thema hier kurz anreißen.
Das Regal-Ebene-Fach-System
Standard-Format:Regal - Ebene - Fach
Beispiel:
01-01-01 = Regal 1, Ebene 1, Fach 1
02-03-02 = Regal 2, Ebene 2, Fach 3
Nummeriere die Ebenen immer von unten nach oben und die Fächer je Ebene von links nach rechts
Wie nummeriere ich meine Regale?
Schema
Beispiel
Wann nutzen?
Regal-Ebene-Fach (numerisch)
01-01-01, 02-03-04
Standard: ein Raum ohne Gänge
Gang-Regal-Ebene-Fach (Buchstabe = Gang)
A-01-01-01, B-02-03-04
Mehrere Gänge oder Hallen
Wichtig: Jeder Lagerplatz braucht eine EINDEUTIGE ID!
Warum?
Du kannst Artikel eindeutigen Lagerplätzen zuordnen
Hilfreich bei Kommunikation mit Kollegen (Wago-Klemme findest du auf 01-03-04)
Schaffst so Grundlage für deine gesamte Lagerorganisation.
Reichere deine Stammdaten bzw. Artikeldaten damit in deiner Lagersoftware an. Spart Suchzeiten, weil du schneller findest und weniger suchen musst.
Welche Software eignet sich für Regaletiketten?
Du brauchst keine teuren Programme. Hier sind 4 kostenlose Tools, mit denen du sofort starten kannst, dazu die Variante direkt aus der Lagersoftware:
Produktnummer deiner gewählten Bögen eingeben. In unserem Beispiel: 70x36-R
Excel hochladen
"Seriendruck" wählen
Excel-Datei hochladen
Vorschau checken: Alles korrekt?
Drucken
PDF exportieren
Laserdrucker (kein Tintenstrahldrucker!)
Erst 1 Testbogen auf normalem Papier!
Praxistipp: Testbogen auf normales Papier drucken, über Etikettenbogen halten und gegen das Licht checken. Passt alles? Dann erst alle Etiketten drucken.
Tool 2: Labeljoy Für Power-User (Windows) ⭐⭐
Warum Labeljoy?
Start ist erstmal kostenlos, aber mit Watermark, später kostenpflichtig
Farben anpassen (z.B. Rot für Gefahrstoffe, Blau für Bürobedarf)
Export
Als PDF exportieren
Auf Avery-Bogen drucken
Nachteil: Kein automatischer Excel-Import in der Free-Version, jedes Etikett muss separat erstellt werden, was sehr zeitaufwändig ist Vorteil: Deine Etiketten sehen aus wie vom Profi
Tool 4: repleno Etiketten-Generator Für den sofortigen Start ⭐⭐⭐
Warum der Generator?
Läuft im Browser, keine Installation, keine Anmeldung
Keine E-Mail-Adresse, kein Newsletter, kein Spam
CSV-Import für Massendruck, inklusive Vorlage zum Herunterladen
Code 128 und QR-Code
Zweckform 3422, Zweckform 3657, A4-Vollfläche oder dein eigenes A4-Raster
Deine Daten bleiben im Browser, es wird nichts hochgeladen
Artikel eintragen: Artikelname, Lagerplatz, optional Barcode und zwei Freifelder
CSV hochladen: Spalten und Pflichtfelder werden automatisch geprüft
Format wählen oder eigene Bogenmaße eintragen
PDF erstellen und auf dem Etikettenbogen drucken
Nachteil: Weniger Bogenformate als Avery, und die Artikelliste stellst du bei jedem Durchlauf neu zusammen Vorteil: Du baust dein Layout einmal, sicherst es als Datei und lädst es beim nächsten Druck wieder
Etiketten entstehen direkt aus dem Lagerbestand, kein Excel-Export
68 Bogenformate inkl. Avery 70×36-R, dazu Code 128, EAN-13 und QR-Code
PDF-Export für jeden handelsüblichen Laserdrucker
Unterschied zum Generator oben: Der Etiketten-Generator druckt den Bogen aus einer CSV, die du jedes Mal selbst zusammenstellst. Im Label-Designer kommen Artikelname, Nummer und Lagerplatz aus den Stammdaten. Das lohnt sich, sobald du regelmäßig nachdruckst. Im Free-Tarif (25 aktive Artikel, dauerhaft kostenlos) kannst du vorher ausprobieren, ob das zu deinem Lager passt.
Welches Tool passt zu mir?
Tool
Beste für
Excel-Import
QR-Code
Barcode
Kosten
Lernkurve
Avery Design & Print
Schneller Einstieg und kostenlos
✅ Ja
🚫 Nein
✅ Ja
💰 0 €
🕒 5 Min
Canva
Schnelle Designs
🚫 Manuell
✅ Ja
✅ Ja
💰 0 €
🕒 10 Min
Labeljoy
Viele Etiketten und Professionalisierung
✅ Ja (CSV)
✅ Ja
✅ Ja
💰 0 €
🕒 25 Min
repleno Etiketten-Generator
Sofort loslegen, ohne Konto
✅ Ja (CSV)
✅ Ja
✅ Ja
💰 0 €
🕒 5 Min
repleno Label-Designer
Direkt aus dem Lagerbestand, ohne Liste zu bauen
✅ Automatisch
✅ Ja
✅ Ja
💰 Free-Tarif bis 25 aktive Artikel
🕒 10 Min
Meine Empfehlung: Fang mit unserem Etiketten-Generator an. CSV rein, PDF raus, ohne Konto und ohne E-Mail-Adresse. Für Regalbeschriftung auf einem Standardbogen reicht das. Brauchst du ein exotisches Bogenformat oder freies Layout, leg dir für Avery Design & Print ein Konto an. Und wenn deine Artikel ohnehin schon in einer Lagersoftware stehen, spar dir das Listenbauen komplett.
Jeder Lagerplatz, jedes Regal und jeder Artikel bekommt eine eindeutige, lesbare ID, per Beschriftung, Etikett oder Barcode. Damit findet jeder im Team sofort den richtigen Platz, egal ob er den Lagerplan kennt oder neu ist. Die Regalbeschriftung aus diesem Guide ist die manuelle Basis dafür; Barcodes machen sie zusätzlich maschinenlesbar.
Wie richte ich ein Barcode-System für das Lager ein?
Barcodes machen aus dieser Basis ein scanbares System.
Warum Barcodes auf den Etiketten?
Barcodes machen Lagerplätze oder Artikel eindeutig identifizierbar, sodass Menschen und Software immer vom gleichen Objekt sprechen. Sie ersetzen fehleranfälliges Lesen und Abtippen durch einen schnellen Scan. In Software und Apps verknüpfst du Barcodes mit Beständen, Artikeln und Mindestmengen: Entnahmen erfasst du sofort, Nachbestellungen laufen zuverlässig.
Ohne Barcode:
Lagerplatz 01-01-01 in App abtippen → Tippfehler möglich
Bei 100 Artikeln: viel manuelle Arbeit → Zeitverschwendung
Mit Barcode:
Scannen via App oder Barcodescanner → automatisch richtige ID erfasst
Buchungen innerhalb von Sekunden
Die wichtigste Regel: Ein eindeutiger Barcode = Ein Lagerplatz!
Beispiel zweimalige Verwendung der ID FALSCH:
Barcode "RPL-0001" für 01-01-01
Barcode "RPL-0001" für 02-02-02 ❌ NICHT eindeutig! Gute Software lässt doppelte Vergaben nicht zu bzw. meldet.
Wichtig: Es können auch mehrere Artikel und Barcodes einem Lagerplatz zugewiesen werden. Dies ist in der Praxis der Fall, wenn Trennstege einen Behälter für Artikel mit geringem Volumen unterteilen (Aderendhülsen, usw.).
Kann ich Artikelname UND Barcode kombinieren?
JA! Das ist sogar empfohlen:
||||||||||||||||||
[Barcode RPL-0001]
Zylinderschraube DIN 912 M6 × 40 mm
01-01-01
Fertig gedruckt kann so ein Kombietikett aussehen, direkt aus dem repleno Label-Designer erzeugt, mit Produktbild, Mindest-/Höchstbestand und Lagerplatz-Code:
Warum beides?
Barcode → für schnelles scannen per App. Für Software, Bestellungen, Bestandsbuchungen und Inventur
Artikelname → für schnelles Finden ohne Scanner
Wichtig: Der Barcode speichert NUR eine ID (z.B. "RPL-0001"). Die ID ist in der Software mit einem Artikel verheiratet und kann darüber zugeordnet und bebucht werden. Ein Barcode speichert NICHT den Artikelnamen. Der Name ist nur visuell auf das Etikett gedruckt.
Wie plane ich mein Etikettensystem richtig?
Schritt 1: Lagerlayout analysieren
Nimm dir 10 Minuten und skizziere dein Lager, indem du die folgenden Fragen beantwortest:
Welche Regale sind am häufigsten frequentiert?
Wo brauchst du größere Etiketten (aus Entfernung sichtbar)?
Welche Bereiche brauchen Farbcodes (z.B. Gefahrstoffe)?
Tipp: Mach ein Foto von jedem Regal. Dann weißt du später genau, wie viele Etiketten du brauchst.
Schritt 2: Nummerierungssystem festlegen
Standard (ein Raum ohne Gänge): Jeder Lagerplatz wird eindeutig nach Regal, Ebene, Fach beschrieben, alles numerisch. Innerhalb eines Regals wird konsequent von links nach rechts und von unten nach oben nummeriert, damit jeder Platz logisch auffindbar bleibt.
Regal - Ebene - Fach
01-01-01 (Regal 01, Ebene 01, Fach 01)
01-02-03 (Regal 01, Ebene 02, Fach 03)
02-01-05 (Regal 02, Ebene 01, Fach 05)
Mit Gängen (größere Lager, mehrere Hallen): Reicht ein Raum nicht mehr, stellst du einen Gang als Buchstaben voran: Gang-Regal-Ebene-Fach. Der Rest bleibt gleich.
Gang - Regal - Ebene - Fach
A-01-01-01 (Gang A, Regal 01, Ebene 01, Fach 01)
A-02-02-03 (Gang A, Regal 02, Ebene 02, Fach 03)
B-01-01-05 (Gang B, Regal 01, Ebene 01, Fach 05)
Wichtig: Einmal festgelegt, NICHT mehr ändern! Sonst stimmen deine Aufzeichnungen nicht mehr.
Schritt 3: Farbcodes definieren (optional)
Farben helfen, Bereiche schnell zu unterscheiden:
Farbe
Bedeutung
Beispiel
🔴 Rot
Gefahrstoffe
Chemikalien, Reiniger
🔵 Blau
Bürobedarf
Papier, Stifte, Ordner
🟢 Grün
Versand / Verpackung
Kartons, Klebeband
🟡 Gelb
Häufig genutzt
Schrauben, Dübel
⚫ Schwarz
Werkzeug
Bohrer, Akkuschrauber
Welchen Drucker verwenden und wie bringe ich Etiketten richtig an?
Für die meisten kleinen Lager eignen sich Etiketten im Format 70×36mm (z.B. Avery 70x36-R). Sie bieten genug Platz für Regalnummer, Artikelname und optional einen QR-Code, sind aber nicht zu groß und verschwenderisch.