Sortier deine Ladenhüter nach gebundenem Geld, nicht nach Alter, und prüf je Artikel, welcher Weg netto am meisten bringt.
Für die erste Liste reicht die letzte Inventur: Was mit derselben Menge noch im Regal liegt, ist ein Kandidat.
Ein gesetzliches Rückgaberecht hast du als Betrieb nicht. Gutschrift oder Tausch handelst du mit dem Lieferanten aus.
Spendest du Ware, fällt Umsatzsteuer auf ihren heutigen Einkaufswert an, sofern du beim Kauf zum Vorsteuerabzug berechtigt warst. Pauschal 0 Euro sind nicht erlaubt.
Eine Abwertung bringt kein Geld zurück. Das schaffen nur Rückgabe, Verkauf oder eigene Nutzung.
Lieber haben als brauchen. Aber hält das einer kaufmännischen Betrachtung stand? In wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen Cash weiterhin King ist? In Zeiten, in denen es bei vielen kleinen Unternehmen auf jeden Euro ankommt?
Jeder Artikel, der seit Monaten unberührt im Regal liegt, ist bezahlt, und das Geld fehlt dir an anderer Stelle.
Was ist ein Ladenhüter?
Ein Ladenhüter, auch Lagerhüter, Lagerleiche, Penner oder auf Englisch Dead Stock genannt, ist ein Artikel mit Bestand, der lange nicht mehr aus dem Lager gegangen ist und es voraussichtlich auch nicht mehr tut. Als Abgang zählt alles, was das Lager verlässt: verkauft, verbraucht oder an einen anderen Standort gegeben.
Nicht alles, was lange im Regal liegt, ist ein Ladenhüter, und nicht alles davon musst du loswerden:
Begriff
Bewegt sich?
Was du tust
Langsamdreher
Selten, aber regelmäßig
Liegen lassen, solange der Bestand zum Verbrauch passt
Überbestand
Ja, aber es liegt mehr da als nötig
Weniger nachbestellen, bis der Bestand gesunken ist
Ladenhüter
Nein, und kein Abgang in Sicht
Loswerden: zurückgeben, selbst nutzen, verkaufen, spenden oder entsorgen
Veralteter Bestand
Nein, weil ersetzt oder abgelaufen
Verwerten, abschreiben oder entsorgen
Wer einen Langsamdreher abverkauft, bestellt ihn später wieder nach. Bleibt ein Ladenhüter liegen, bindet er weiter Kapital und belegt ein Regalfach, in dem Ware liegen könnte, die du wirklich brauchst.
Ab wann ist ein Artikel ein Ladenhüter?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Maßstab ist der eigene Rhythmus des Artikels: Geht ein Verbrauchsartikel sonst jede Woche raus, ist ein Monat Stillstand auffällig. Ein Ersatzteil, das einmal im Jahr gebraucht wird, darf ein Jahr liegen. Saisonware misst du an ihrer Saison, Streusalz im August ist kein Ladenhüter.
Für den Anfang taugt eine Staffel, die du an dein Sortiment anpasst: nach 90 Tagen ohne Abgang prüfen, nach einem Jahr loswerden.
Ein zweites Signal ist die Lagerreichweite. Reicht der Bestand beim heutigen Verbrauch für Jahre, liegt zu viel da, auch wenn der Artikel noch läuft. Das ist Überbestand. Er baut sich ab, sobald du weniger nachbestellst, und für den Teil, der zu viel ist, taugen dieselben Wege wie beim Ladenhüter.
Wie findest du Ladenhüter?
Für jeden Artikel brauchst du eine Angabe: wann er zuletzt das Lager verlassen hat. Wo du sie findest, hängt davon ab, womit du heute arbeitest.
Mit Warenwirtschaft, Kassensystem oder Lagersoftware
Bucht dein System Verkäufe oder Entnahmen, kennt es das Datum der letzten Bewegung schon. Oft gibt es dafür einen fertigen Bericht. Such im Berichtsmenü nach Begriffen wie „Ladenhüter“, „Artikel ohne Umsatz“, „Lagerdauer“ oder „letzte Bewegung“. Lass dir die Liste mit Bestand und Einkaufspreis ausgeben und exportier sie nach Excel, dann kannst du sie sortieren.
Prüf vorher, ob wirklich jede Entnahme gebucht wird. Nimmt jemand Ware, ohne sie zu buchen, landen Artikel auf der Liste, die in Wahrheit laufen.
Ohne System: drei Quellen für heute
Die letzte Inventur. Leg die Zählliste neben den heutigen Bestand. Was damals mit derselben Menge im Regal lag und heute immer noch, hat sich wahrscheinlich nicht bewegt. Ein Blick in die Einkaufsrechnungen zeigt, ob in der Zwischenzeit nachgekauft wurde.
Die Einkaufsrechnungen. Liegt der letzte Einkauf eines Artikels Jahre zurück und das Fach ist trotzdem voll, gehört er auf die Liste.
Ein Rundgang. Staub auf der Verpackung, vergilbte Etiketten, Kartons hinter anderen Kartons. Schreib auf, was du findest, mit Menge und ungefährem Einkaufspreis.
Das reicht für eine erste Liste, mit der du heute anfangen kannst.
Soll die Liste dauerhaft aktuell sein, brauchst du neben deiner Bestandsliste in Excel ein zweites Blatt, in das du jede Entnahme mit Datum einträgst. Excel holt daraus je Artikel den letzten Abgang (MAXWENNS, ab Excel 2019), zählt die Tage seitdem und rechnet das gebundene Kapital. Die Vorlage enthält beides mit fertigen Formeln.
Zeigt die Vorlage bei einem Artikel „nie“, ist seit Beginn deiner Aufzeichnungen kein Abgang erfasst. Was davor war, zeigt die Liste nicht. Aussagekräftig wird sie also erst, wenn sie mindestens so lange läuft wie deine Schwelle. Bis dahin ergänzt du sie mit dem, was du aus Inventur und Rechnungen weißt.
Welche Ladenhüter nimmst du dir zuerst vor?
Sortiert nach Alter steht oben oft ein Karton Kleinteile, der seit Jahren liegt und kaum Geld bindet. Sortiert nach Kapital steht oben ein teures Teil, das erst seit Monaten liegt. Wer Geld freisetzen will, arbeitet die Kapital-Liste von oben ab.
Nimm vorher alles heraus, was lange liegen soll: das Ersatzteil für die Maschine, ohne die nichts läuft, Material für Notfälle, Teile, die du einem Kunden zugesagt hast. Markier diese Artikel, damit sie beim nächsten Durchgang nicht wieder auftauchen.
Das Kapital ist nur ein Teil der Rechnung. Fläche, Versicherung und Handling kosten jedes Jahr zusätzlich. Wie viel das bei dir ausmacht, zeigen deine Lagerkosten.
Wie baust du Ladenhüter ab?
Den Artikel nach hinten ins Regal zu schieben, ist leider nicht der richtige Weg. Er belegt dort dieselbe Fläche, bindet dasselbe Kapital, und die Entscheidung liegt beim nächsten Aufräumen wieder auf dem Tisch. Ein Teamleiter bei einem Maschinenbauer, kurz vor der Rente, hat Schrauben und Kleinteile in Behältern gehortet: „Könnte man ja nochmal gebrauchen.“ Die Behälter standen verstaubt im Regal, weil er sich nicht trennen konnte. Triff für jeden Ladenhüter eine Entscheidung, auch wenn sie wehtut. Leg fest, was mit ihm passiert, bis wann und wer sich darum kümmert.
Sorg zuerst dafür, dass niemand die Artikel auf deiner Liste nachkauft. Ein Zettel am Fach („nicht nachbestellen, zuerst aufbrauchen“) erreicht jeden, der dort einkauft oder entnimmt, und die Kollegen greifen ab sofort zuerst zu diesem Artikel. Bestellt dein System automatisch nach, sperr dort zusätzlich die Beschaffung und hinterlass eine Notiz, warum.
Dann prüf die Wege der Reihe nach. Oben stehen die, bei denen meist am meisten übrig bleibt, weil kaum Gebühren, Versand oder Preisnachlass anfallen. Im Zweifel rechnest du nach: Gutschrift oder Verkaufspreis, minus Gebühren, Versand und Zeit. Der Weg mit dem höchsten Betrag gewinnt.
Weg
Passt, wenn
So gehst du vor
Lieferanten fragen
Der Lieferant den Artikel noch führt
Ein gesetzliches Widerrufsrecht haben nur Verbraucher (§ 312g BGB). Für mangelfreie Ware bist du als Betrieb auf ein vereinbartes Rückgaberecht oder die Zustimmung des Lieferanten angewiesen. Frag nach Gutschrift oder nach einem Tausch gegen Ware, die du brauchst, und rechne eine Rücknahmegebühr gegen.
Umlagern
Ein anderer Standort oder Einsatz den Artikel braucht
Die Umlagerung buchen, damit der Bestand am alten und am neuen Ort stimmt.
Selbst nutzen
Der Artikel einen anderen ersetzen kann, den du regelmäßig nachkaufst
Den anderen so lange nicht nachkaufen, bis der Ladenhüter aufgebraucht ist.
Verkaufen
Es noch Nachfrage zu einem niedrigeren Preis gibt
Restpostenhändler, befreundete Betriebe, Kleinanzeigen oder als Zugabe zu einem Artikel, der läuft. Ein Enddatum setzen, damit der Rabatt nicht zum Dauerpreis wird. Wirbst du bei Verbrauchern mit einem Streichpreis, muss der durchgestrichene Preis dein niedrigster der letzten 30 Tage sein (§ 11 PAngV).
Spenden
Der Artikel brauchbar ist, aber niemand mehr dafür zahlt
Tafel, Sozialkaufhaus, Verein oder Schule vor Ort. Neuwertige Restmengen vermittelt innatura an gemeinnützige Organisationen. Umsatzsteuer beachten, siehe unten.
Entsorgen oder verwerten
Der Artikel defekt, abgelaufen oder unbrauchbar ist
Bringt kein Geld, macht aber das Fach frei. Metall und Elektroteile zum Verwerter statt in den Restmüll. Die Entsorgung dokumentieren.
Prompt für deinen KI-Assistenten
Gib diesen Prompt mit deiner Ladenhüter-Liste an Gemini, Claude oder ChatGPT. Er rechnet aus, welcher Weg je Artikel am meisten bringt.
Du hilfst mir, Ladenhüter mit möglichst wenig Verlust loszuwerden.
Bevor du startest, weise mich darauf hin, keine echten Lieferanten-, Kunden- oder personenbezogenen Daten in externe KI-Tools einzugeben. Lieferantennamen ersetze ich durch Platzhalter wie „Lieferant A“.
Ich gebe dir je Artikel: Bezeichnung, Bestand, Einkaufspreis und Zustand. Dazu, soweit ich es weiß: Gutschrift und Rücknahmegebühr des Lieferanten, erzielbarer Verkaufspreis, Verkaufsgebühren und Versand, und ob ich den Artikel selbst brauchen kann.
1. Rechne für jeden Artikel aus, was bei jedem möglichen Weg netto übrig bleibt: zurückgeben, selbst nutzen (gesparter Einkauf), verkaufen, spenden, entsorgen.
2. Fehlt dir eine Angabe, rechne nicht mit einer Annahme. Sag mir, welche Frage ich wem stellen muss, zum Beispiel dem Lieferanten.
3. Gib eine Tabelle aus: Artikel, gebundenes Kapital, bester Weg, Netto-Betrag, nächster Schritt. Sortiert nach gebundenem Kapital, absteigend.
4. Schreib für jeden Artikel, bei dem Rückgabe der beste Weg ist, eine kurze, freundliche Anfrage an den Lieferanten.
Erfinde keine Preise oder Konditionen. Bei steuerlichen Fragen verweist du auf meine Steuerberatung.
Egal, welcher Weg: Buch den Artikel mit Grund aus dem Bestand aus. Sonst zählst du bei der nächsten Inventur weniger, als in der Liste steht, und musst den Grund erst suchen.
Was gilt steuerlich, wenn du Ladenhüter abschreibst, spendest oder entsorgst?
Eine Abwertung holt kein Geld aus dem Regal. Sie senkt den Wert in den Büchern und damit unter Umständen die Steuer. Und sie betrifft dich nur, wenn du bilanzierst. Stellst du eine Handelsbilanz auf, musst du Waren abschreiben, wenn ihr Wert am Abschlussstichtag unter den Anschaffungskosten liegt (§ 253 Abs. 4 HGB). In der Steuerbilanz ist das ein Wahlrecht: Du darfst den niedrigeren Teilwert ansetzen, wenn die Wertminderung voraussichtlich dauerhaft ist (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 EStG). Diese Regel gilt nur für Betriebe, die ihren Gewinn per Bilanz ermitteln. Bei einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung gibt es keine Teilwertabschreibung.
Keines der beiden Gesetze nennt eine Lagerdauer, ab der du abschreiben darfst. Maßgeblich ist, was der Artikel am Stichtag noch wert ist, und das begründest du mit Preisen, Absatz und Zustand. Notierst du in deiner Ladenhüter-Liste vor der Inventur Zustand und erzielbaren Preis, hast du diese Begründung zur Hand.
Spendest du Ware, fällt Umsatzsteuer an, sofern du beim Einkauf zum Vorsteuerabzug berechtigt warst. Das Bundesfinanzministerium setzt dafür den fiktiven Einkaufspreis zum Zeitpunkt der Spende an. Für schwer verkäufliche Ware wie Vorjahresware ist das ein entsprechend niedriger Wert, und es entsteht keine oder nur wenig Umsatzsteuer. Pauschal 0 Euro oder 1 Euro anzusetzen, lässt das Ministerium nicht gelten. Null Euro sind nur dann richtig, wenn die Bewertung der einzelnen Ware genau das ergibt. Schätz den Wert so realistisch wie möglich und halte die Spende schriftlich fest.
Für die Entsorgung hilft ein kurzer Nachweis: was, wie viel, wann und warum, dazu der Beleg des Entsorgers. Dieser Artikel ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Wie du im Einzelfall bewertest, spendest oder Rücknahme und Rabatt rechtlich sauber aufsetzt, klärst du mit deiner Steuerberatung oder einem Anwalt.
Wie verhinderst du neue Ladenhüter?
Die meisten Ladenhüter entstehen schon beim Einkauf und fallen erst auf, wenn der Karton von der Vorjahresinventur immer noch unberührt im Regal steht und eine dicke Staubschicht angesetzt hat.
Ich habe das bei einem Elektrobetrieb erlebt: Die Monteure bedienen sich am Lager und packen sich die Bullis voll, lieber haben als brauchen. Der Chef sieht das leere Regal und bestellt nach. Tage oder Wochen später kommt die Hälfte von der Baustelle zurück und landet im Regal, neben der neuen Ware. Was liegt im Lager, was im Bulli? Weiß keiner. Warum? Niemand hat den Überblick über Material und Bestand. Was rausgeht, wird nicht notiert, was zurückkommt, auch nicht. Mal fehlt die Disziplin, mal der Wille. Also wird bestellt, was sich aus dem Bauch heraus richtig anfühlt. Schätzen statt wissen = Krempel im Regal, den keiner braucht.
Der häufigste Grund ist jedoch: der super Deal. Der Lieferant gibt Rabatt ab einer bestimmten Menge, es wird zugeschlagen, weil billig, und dann verstaubt das Zeug im Regal. Ich kenne das auch von Exoten: Gebraucht wird ein Stück, verkauft wird nur die Zehnerpackung. Oder das einzelne Stück kostet so viel, dass die zehn pro Stück plötzlich attraktiv wirken. Also nimmt man die zehn, kann man ja mal gebrauchen. Später stellt sich heraus: kann man doch nicht. Neun Stück fliegen rum, schade um die Kohle. Rechne den Rabatt oder den Stückpreis gegen die Monate, die der Rest im Regal steht. Ähnlich beim Vorrat aus Angst vor Lieferengpässen. In einer Umfrage des Fachmagazins DEGA GaLaBau hält ein Inhaber dagegen: Lagerkosten, Zinsen und Ladenhüter fressen den Preisvorteil auf, solange der Vorrat an keinem Auftrag hängt.
Und dann gibt es Fehler, die keiner zurückdreht. Bei einem Maschinenbauer lieferte der Hydraulik-Lieferant Verschraubungen, eine kniehohe Palette voller Kartons, weit mehr als bestellt. Im Wareneingang konnte sie erst niemand zuordnen. Irgendwann stand sie im Produktionslager, Zettel dran: „zuerst aufbrauchen“. Zurückgeschickt hat sie keiner, warum auch immer, und der Abbau zog sich. Prüf jede Lieferung gegen die Bestellung und reklamier Mehrmengen am selben Tag.
Gegen fast alles hilft dasselbe: Bestand führen und den Verbrauch kennen. Erfass alles, was das Lager verlässt, zum Beispiel das Material für die Baustelle, und auch alles, was von dort zurückkommt. Erst einbuchen, dann bestellen. Dann weißt du vor der Bestellung, was noch da ist und was im letzten Quartal tatsächlich rausging, und beim nächsten Deal, wie lange die Menge reicht. In Excel trägst du dafür jede Entnahme von Hand ins Blatt Abgänge ein. Eine Lagersoftware erfasst sie mit jeder Buchung und zeigt dir die Ladenhüter nach gebundenem Kapital, ohne zweite Tabelle. Arbeitest du mit Min- und Max-Werten, senk sie für Artikel, die weiterlaufen, aber weniger als früher.
Dazu ein fester Termin, an dem du die Liste durchgehst, zum Beispiel einmal im Quartal.
Lieber haben als brauchen gilt für die Teile, ohne die nichts läuft. Für alle anderen kostet jeder weitere Monat im Regal Geld, das du an anderer Stelle brauchst.
Christoph arbeitete fünf Jahre als Elektroniker in der Industrie und hat erlebt, wie fehlende Kleinteile Abläufe ausbremsen. Später betreute er als Projektmanager der P.S. Cooperation GmbH (Böllhoff-Gruppe) systemunterstützte C-Teile-Projekte bei mittelständischen Industrie- und Maschinenbauunternehmen. Heute baut er repleno in Vollzeit, eine Lagerverwaltung, mit der kleine Betriebe Materialbedarf früh erkennen und Nachbestellungen automatisieren.